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"Einglegte Puchnschwammln" werden im Banater Bergland die gekochten und in Essig für den Winter konservierten Austernpilze genannt. Jeden Herbst gingen die Reschitzara af ti munte um diese Pilze zu sammeln, denn sie sind nicht nur köstlich, sie waren (sind ?) auch als Geschenk an Freunden und Verwandten oder kleines "Andenken" z.B. beim Arzt sehr beliebt.

Das Wichtigste an der ganzen Geschichte sind die "Puchnschwammln". Das sind Austernpilze ( für die Dazugeheirateten oder wiedervereinigten Bundesdeutschländer).

Wo bekommt man die her?

Eine Möglichkeit wäre sich Freitag um 17:00 Uhr nach der Arbeit ins Auto zu setzen: München - Semenic ca. 1245 km, und wenn einen die Ungarn nicht wieder bei Budapest auf der "M nulla" blitzen (150 € Spende), ist man dann so am Samstag um 6 Uhr morgens bei der Central Hütte am Semenic.
2 Stunden Schlaf und 4 Red Bull später, geht es mit Rucksack und Wanderschuhe südwestlich in Richtung Wald. Man merkt natürlich nach paar 100 Meter, dass sämtliche Buchen nicht nur abgeerntet, sondern auch fast abgeleckt wirken. Als ob eine gigantische dako-romanische Zunge auch die Sporen der Schwammln aus den Bäumen "zutzln" wollte.
Normalerweise wäre man jetzt mit seinem Latein am Ende. Man ist aber schließlich hier Zuhause und kennt sich aus.
Auf dem Weg zurück zum Auto erinnert man sich an paar Weidenthaler Geheimplätze im Nergan. Das ist ein unberührter Wald, welcher sich ungefähr zwischen den Deutschböhmerdörfer und Herkulesbad erstreckte, war wenigstens so in meiner Kindheit, jetzt sind die meisten Wälder privat und werden seitdem gehegt und gepflegt, ia dolaru´ neamule. Also fährt man vom Semenic runter zum Prislop, dann Richtung Weidenthal, um den Stausee herum, am Deich vorbei, in den Wald.
Die Erkenntnis, dass ein Auto, mit dem man auf der A9 über 200 fahren kann, in dieser Gegend etwas Fehl am Platze ist, kommt relativ schnell. Die ESP Lampe leuchtet auf. ESP bedeutet wohl "Es is Steckn Plim"
Es geht per pedes weiter. Doch erst wird das Auto gesichert.
Man prüft die Alarmanlage, fixiert die Lenkradsperre, verstaut alle Wertsachen in den Rucksack, nach 20 Minuten hat man auch das Autoradio entfernt. Der Security Code für´s Radio ist daheim in der roten Mappe, aber das merkt man erst beim Wiedereinbau in 12 Stunden. Es ist zwar kein Mensch im Umkreis von 20 km, aber "man hört ja soviel". Rosen sind rot, Veilchen sind blau, ich bin schizophren und das bin ich auch.

Zu Fuß geht es dem Pleurotus Ostreatus ( = Austernpilz, das musste sein um das Niveau zu heben! ) entgegen.

Es gibt 4 Arten von Pilzsammel - Tage:

 

Typ A. man findet alle 2 Minuten einen Baum mit "Pilzbefall" und trinkt die Ţuică Flasche aus Freude leer
Typ B. man findet den ganzen Tag nichts und trinkt die Ţuică Flasche aus Frust leer
Typ C. man findet in der ersten Minute einen Baum mit 5 Pilzen (zum Appetit auf mehr), dann aber den ganzen Tag nichts mehr. Man rührt die Ţuică nicht an da man sich auf den ganz grossen Fund konzentrieren muss.
Typ D. man findet den ganzen Tag nichts und trinkt die eigene Ţuică Flasche aus und danach auch noch die vom "collega", der einen Typ C Tag hat. Wenn man am Ende des Tages zum kotzen in die Büsche muss, entdeckt man einen Baum voller Pilze, ist aber zu voll um ihn zu ernten.

Angenommen man hat einen Tag vom Typ C mit einen Schuss A. Dann ist man am späten Nachmittag mit einem 3/4 vollem Rucksack wieder beim Auto.
Nun zahlt es sich aus, dass man daheim Premiere hat und auf Discovery Chanel die Sendungen des Malcolm Douglas verfolgt. Denn das Auto ist bald aus dem Morast rausgezogen, man hat aber auch endlich die Antwort auf die Frage, weshalb sich der Typ alle paar Minuten in einem australischen Tümpel wäscht, gefunden.
Nun fährt man nach Reschitz und besucht erst mal ALLE Verwandten (bis auf die Tante Mitzi vom Erbstollen, die einem dies nie verzeihen wird).
Die Ausrede, man muss am nächsten morgen zurückfahren, zählt abends nicht, die Party ist schließlich im Nebenzimmer.
Müde, besoffen und überfressen schläft man am Sonntagmorgen um 4:00 Uhr ein.

Am Sonntag um 12:00 mittags "vapusslt" man dann die ganze "Paraputsch" und fährt Richtung München.
Montag früh um 01:00 ist man dann daheim.
Am Montag wacht man um 10:00 Uhr auf und ruft den Chef an, dass man krank sei.
Nun hat man auch Zeit am Montagnachmittag die Pilze einzulegen.

Summa Sumarum für 15 kg Pilze :
2490 km + 150 € Sprit + 7,40 € Maut Österreich + 2 x 17€ in Ungarn + 3, 5 Tage Arbeitsausfall + eine Menge Spaß + Pilze die noch nach Pilze schmecken !

Eine andere Möglichkeit wäre die Pilze im Geschäft zu kaufen. Regulärer Preis ca. 5 € pro Kilo. Im Münchner Großhandelsmarkt hat man schon mal das Glück eine 3 Kilo Kiste für 2 Euro zu finden. Bild 1


Bild 1


Zur Zubereitung:

Die Pilze im kalten Wasser gründlich waschen. Das Vorhandensein von Schnecken und Ungeziefer zeigt zwar, dass es sich um einen genießbaren Pilz handelt, diese Getiere sind aber im marinierten Zustand weder niedlich noch appetitlich. Obwohl in Asien ..., aber das ist was anderes. Bild 2



Bild 2

Die Pilze zerkleinern, dabei ist es wichtig sie nicht mit dem Messer zu malträtieren, sondern sie mit bloßen Händen zu zerreißen. Man sollte sie nicht zu klein aber auch keine Monster-Dinger daraus machen. Die Stücke sollen schön mundgerecht sein, am besten reißt man sie der Länge nach in Streifen. Die Lamellen müssen nicht ab (wie z.B. beim Steinpilz).

Man sucht einen großen Topf in dem die Pilze reinpassen. "A Lawua" habe ich nicht. Frage die Nachbarin, die kennt so was nicht. Verteile die Pilze in einem Zehn-Liter, einem Fünf-Liter und einem Drei-Liter Topf. Bild 3



Bild 3

In einem großen Topf (angenommen man hat EINEN, sonst siehe oben) kommen die Pilze hinein; es wird Wasser hinzugegeben bis die Pilze damit knapp bedeckt sind.
Das Wasser wird gesalzen ( wie beim Spaghetti kochen) und es werden Lorbeerblätter und ganze Pfefferkörner dazugegeben. Pro Kilo Pilze ca. 1-2 Blätter Lorbeer und 5-8 Pfefferkörner.

Die ganze Sache kommt auf den Herd (kleine Flamme) und man lässt es ca. 1 Stunde köcheln.
Immer wieder probieren! Die Pilze dürfen nicht zerkochen. Spätestens wenn man spürt, dass sie ihre gummiartige Konsistenz verlieren, müssen sie von der Kochstelle und sofort abgeseiht werden.
Beim Kochen sind die Pilze etwas eingegangen und passen jetzt alle in einen Topf. Bild 4



Bild 4

In einem extra Topf wird die Marinade, in der die Pilze in den Einweggläser eingelegt werden, angerichtet.
Dazu braucht man: Essig, Wasser, Salz, Zucker, 2 - 3 große Zwiebel und 3 - 4 Möhren ("Gelbiriehm") bei ca. 5 kg. Pilze. Bild 5


Bild 5

Zu einem Liter Wasser kommen ca. 1/2 Liter Essig. Ich habe einen ganz ordinären Essig genommen, eigentlich Essig Essenz (hier ist die Mischung mit Wasser entsprechend anders 1:3 oder 1:4).

Wieviel Essig man dazugibt ist aber Geschmackssache, einige mögen es saurer als andere. Ich kenne einige Hausfrauen die früher soviel Essig reingegeben haben, dass es einem die Fußnägel hochrollte und man die Pilze vor dem Genuss abwaschen und eine neue Marinade machen musste.
Zu wenig Essig sollte es aber auch nicht sein, da dieser für die Haltbarkeit zuständig ist.

In das Essigwasser kommen Salz und Zucker nach belieben. Ich bevorzuge die Mischung 1 1/2 EL Zucker zu einem EL Salz pro 2 Liter Flüssigkeit.

Die Zwiebel werden in Ringe geschnitten und gesalzen. Man lässt sie 10 Minuten ziehen.
Möhren auch in Ringe schneiden sie danach blanchieren (in kochendes Salzwasser ca. 3 Min und dann mit kalten Eiswasser abschrecken)

Das Essigwasser mit den Zwiebeln den Möhren und den Pilzen zusammengeben und mit der (gewaschenen) Hand gut mischen.
Aus Erfahrung, einen Tipp von mir: auch wenn das Essigwasser kalt ist können diese blöden Pilze die Wärme unglaublich lange speichern und saugen sich brühend heiss auf dem Handrücken fest. Also erst 10 Minuten warten und erst dann die Hände in die Soße stecken.



Bild 6

Das Ganze abkühlen lassen und dann in Schraubengläser füllen. Oder in Tupperware im Kühlschrank wenn man nicht genügend Schraubengläser hat.

Guten Appetit

weitere Infos zu den Puchnschwammln ->

 

 






 

 


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